
ÖDÖN VON HORVÁTH
Ein Volksstück
BESETZUNG
ABO SO
Und die Liebe höret nimmer auf
Und die Liebe höret nimmer auf. Kasimir geht mit seiner Freundin Karoline auf das Oktoberfest. Er hat gerade seine Arbeit verloren und ist deprimiert, während Karoline, die tagsüber in einem Büro arbeitet, sich amüsieren will. Dazu Horváth: „Als mein Stück 1932 in Berlin uraufgeführt wurde, schrieb fast die gesamte Presse, es wäre eine Satire auf München und auf das dortige Oktoberfest – ich muß es nicht betonen, daß dies eine völlige Verkennung meiner Absichten war, eine Verwechslung von Schauplatz und Inhalt; es ist überhaupt keine Satire, es ist die Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut, eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor, das heißt durch die alltägliche Erkenntnis: »Sterben müssen wir alle!«“ In der Regie von Johan Simons und Paul Koek wird aus diesem Stück energiegeladenes Musiktheater, eine Inszenierung, die die heutige Zeit spüren lässt – jenseits jeglicher Folklore.
Unter Verwendung des Bühnenbildes von Bert Neumann anläßlich der Premiere in Avignon, Papstpalast, Juli 2009.
Pressestimmen:
„Selbstredend drängt sich zuallererst die erstaunliche Aktualität von Horváths Achterbahnfahrt durch alle Einkommensklassen vor dem Hintergrund einer alle Gewissheiten erschütternden Krise auf. Dem muss man nicht hinterherinszenieren. Stattdessen beschwören Simons und Koek die dichterische Qualität von ‹Kasimir und Karoline›, verleihen der Sprache Raum, gerade indem sie die Dialoge der Horváthschen Unglücksmenschen von einer Band begleiten lassen, durchrhythmisieren. …Gute Unterhaltung mit einem gut geführten Ensemble. … Am Ende singt Erna (die tolle Lina Beckmann, als einzige Figur, die noch an eine Revolution glaubt, das Lied vom Frühling: ‚Nur der Mensch hat alleinig / Einen einzigen Mai.’… Am Ende gab es starken Beifall, vor allem für das erstklassige Ensemble.“
(Christian Bos, Kölner Stadt-Anzeiger)
„Karg ist die Szene. Lapidar und still, dabei höchst subtil erzählt Simons das zeitlos aktuelle – und derzeit unter dem Eindruck der Krise wieder häufig gespielte – Kleine-Leute-Stück und setzt ganz auf die Kunst des fabelhaften Kölner Ensembles. Wunderbar zart, fahrig trippelnd und dabei mit der leisen Grausamkeit eines illusionslosen Pragmatismus ausgestattet ist Angelika Richters Karoline; schwerblütig, stumm nach Worten und mit der eigenen Unbeholfenheit ringend, doch nur leise verzweifelnd ist Markus Johns massiger Kasimir. Hinreißend changiert Jan-Peter Kampwirths Schürzinger zwischen Empfindsamkeit und zittriger Unterwürfigkeit. In ihrer emotionalen Schlichtheit anrührend spielt Lina Beckmann die handfeste Erna, ohne die Figur zu denunzieren. Carlo Ljubek ist trotz gebrochenen Arms ein furioser, doch niemals überzeichneter Merkl Franz. Als alles zu Ende ist, schweigt die Band und Erna singt stockend: "Nur der Mensch hat alleinig einen einzigen Mai." Stark. Traurig.“ (Regine Müller, Nachtkritik)
„Die Inszenierung hört sehr genau auf Horváths Sprache, die ihre poetischen Funken auf der Reibfläche zwischen falschem Sentiment und wahrem Elend zündet. … Dazu rollen die auftretenden Musiker der Veenfabriek mit weißer Starkstromfrisur einen schmeichelnden Softpop-Klangteppich aus, können aber auch die Momente der Verlorenheit mit schriller E-Gitarre zersägen. Die Regie nämlich will beides, das Wüten der ganzen Welt und den Katzenjammer des Einzelnen,… Star dieser Aufführung ist aber Angelika Richter. … Allgemeiner Beifall.“ (Hartmut Wilmes, Kölnische Rundschau)
„Johan Simons und Paul Koek basteln aus einem der großen Theaterklassiker der 30 er Jahre ein krachendes Musiktheater, das vom Bauch ins Hirn schießt. Ja, so hätte es Horváth gefallen.“ (choices)
„Stürmische Begeisterung für den Regisseur und das ganz große Ensemble. Und das zu Recht, denn Simons und seinen Schauspielern gelingt, was das Wichtigste - und das Schwerste ist bei Horvath. Sie treffen genau den Ton der seltsam verfremdeten Kunstsprache, aus der dieser große Theaterautor seine Figuren erschafft. Sie sind fremd in ihrer eigenen Sprache, ihr Bewusstsein holt niemals ein, was unbewusst aus ihnen spricht. … Sein [Simons] Augenmerk gilt den Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff kriegen, gegen ihre eigenen Interessen, Gefühle und Wünsche handeln, einem unerbittlichen Kreislauf des Falschen nicht entrinnen können. Vielleicht ist das tatsächlich so eng an die Sprache gebunden, dass es nur im Originaltext funktioniert, wenn er denn so sensibel ausgehört und vielschichtig durchleuchtet wird, wie Johan Simons und seine Darsteller das tun. Und zwar ausnahmslos, ob sie nun eine Hauptrolle oder wenige Sätze zu gestalten haben. Überragend ist Markus John als Kasimir…In einigen Versatzstücken ist die Freilichtbühne von Bert Neumann mit ins Theater gewandert.“ (Ulrike Gondorf, Deutschlandradio)
„In der Kölner Einrichtung des Stückes durch Johan Simons hat man jetzt Gelegenheit, Horváth in seiner ganzen Größe zu erleben: Man spürt geradezu, wie es in den Figuren weiter arbeitet, auch wenn sie nichts sagen. … Da wäre Horváths Sprache, deren bittere Pfeile immer noch am besten in ihrer Ursprungsform treffen. Da ist das starke Ensemble, das mit diesen Sentenzen traumhaft sicher zu jonglieren versteht. … Markus John verkörpert diesen wuchtigen, unbehauenen Kerl derart eindringlich, dass jeder ausgesprochene Satz wie eine gedämpfte Eruption von Verzweiflung wirkt. … Alles in allem aber ist dies ein großer Abend, vorrangig der Schauspielkunst. Mit welcher Scheu und zorniger Unterwürfigkeit Jan-Peter Kampwirth den Zuschneider Schürzinger gibt, der für Karoline schließlich allein übrig bleibt, ist eine stille Glanzleistung. Eine von vielen an diesem Abend, der mit großem Jubel endete, in dem ein paar Buhs, warum auch immer, hoffnungslos untergingen.“ (Arnold Hohmann, derwesten.de)
KOMMENTAR VERFASSEN
Ilka schrieb am 10. 2. 2010 um 21.51 Uhr
Kann man eigentlich z.B. den Song "The day that you complain" irgendwo "erwerben"? Das war soooo schön! Überhaupt: Riesen-Kompliment an die Musiker!!!
Günther Damm schrieb am 4. 2. 2010 um 12.44 Uhr
wenn die regie einem stück vertraut, kann vieles gelingen. wie diese einfache, aber stimmige inszenierung, die das stück für sich sprechen lässt. so aktuell ist horvath. markus john hat für mich herausragend gewirkt. danke. wieder einmal ein großer abend.
Ron Uhlig schrieb am 18. 1. 2010 um 16.36 Uhr
Vielen, vielen Dank! Einfach vielen Dank!
Kölnerin schrieb am 3. 1. 2010 um 17.03 Uhr
Eine interessante Inszenierung, in der die Sprache wie Musik klingt. Das Bühnenbild, treffend und atmosphärisch, unterstützt die triste Stimmung. Es erzeugt Bilder, die wir alle von Jahrmärkten kennen; die Suche nach Ablenkung und Vergessen und die Verzweiflung, die im Grunde hinter Alkohol- und anderen Exzessen steckt.
Hier gibt es keinerlei Sicherheiten oder Garantien für die Figuren; weder Arbeitsstelle noch Beziehungen sind sicher. Ständig kann man alles verlieren und das erzeugt Angst und Aggression.
Es schien mir, als habe die Inszenierung zwei Enden; der erste ist das (sehr traurige, aber schöne) Lied "The day that you complain". Dieser spiegelt die Verzweiflung der Figuren und die tiefe Traurigkeit, die hinter vielen vordergündig witzig erscheinenden Sätzen steckt. Dann folgt der "eigentliche" Schluss mit dem deutschen Lied (im Grunde unerträglich kitschig), der aber treffend mit dem Haus aus rosa Neon konterkariert wird.
Noch ein Tipp an LehrerkollegInnen; diese Inszenierung eignet sich hervorragend für Besuche mit SchülerInnen!
Nach dieser Inszenierung und der interessanten Einsicht in die Probenarbeit bin ich nun sehr gespannt auf die "10 Gebote".
Bea schrieb am 5. 10. 2009 um 12.05 Uhr
Liebes Schauspielhaus :-)
Man kann keine Tickets für die öffentliche Probe am 30.11. kaufen. Bedeutet das, dass keine Karten notwendig sind u. man "einfach so" zuschauen kann oder funktioniert nur der Ticketvorverkauf noch nicht?
Vielen Dank,
Bea
SCHAUSPIEL KÖLN: Liebe Bea,
mittlerweile sind die Tickets für die Generalprobe "Kasimir und Karoline" an der Kasse freigeschaltet, und können dort erworben werden.
Herzliche Grüße
Ihr Schauspiel Köln
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